Freitag, 16. Oktober 2009

Das Strahlen der Berge II – Eine Reise von Lanzhou nach Chengdu

Tibetische Gastfreundschaft in Langmuse
Aber zurück zur Reise. Im Bus nach Langmuse hatten wir eine etwas spezielle Sitznachbarin. Die gute Frau fiel mir vor allem auf, weil sie immer am Telefon war! Sie war denn aber sehr flott zu uns und bot uns Kekse und Sonnenblumenkerne an. Über den im Gang sitzenden Chinesen hinweg kamen wir ins Gespräch und sie wollte wissen, was wie wir denn drauf kamen, nach Langmuse zu reisen und was wir sonst so machten. Sie stellte sich dann als Lehrerin vor und lud uns kurzerhand zu ihren Freunden ein, die sie in Langmuse besuchen wollte. Sie meinte, sie kenne sich aus mit Studierenden und wisse, dass diese nicht all zu viel Geld hätten. Gerne nahmen wir ihr Angebot natürlich an. Zum Glück sprach Pierre denn auch genug gut Chinesisch, um ihre vielen Worte zu verstehen.
Im Bergdorf angekommen gingen wir zuerst in eine Art Apoteke. Der Freund unserer chinesischen Bekannten war ein Spezialist für tibetische Medizin und schien mir ein bisschen überrumpelt vom Aktivismus seiner gerade erst angekommenen Freundin! Nach einem Glas Tee und einem Apfel machten wir uns schliesslich zu viert auf den Weg zu einer weiteren Kollegin, bei welcher wir zum Nachtessen eingeladen wurden. Die Chinesin kaufte zuvor noch kräftig Gemüse und Früchte ein. Unser Ziel war eines der kleinen Häuschen am Hangfuss. Als uns eine kleine tibetische Mönchin mit erhobenen Händen freudig empfieng, staunten Pierre und ich nicht schlecht. Dass unsere Busbegegnung eine Mönchin als Freundin hat, hatten wir nicht recht verstanden. Umso begeisterter waren natürlich wir von der ganze Situation! Wir kriegten tatsächlich die Chance, bei einer Mönchin zu Besuch zu sein!
Wir wurden ins Wohnzimmer eingeladen. Das muss man sich recht anders als bei uns vorstellen. Der Raum war eigentlich recht klein un spärlich eingerichtet. Da war nur ein grosser Schrank, ein Geschirrschrank und ein Ofen und eine Holzkonstruktion. Die Leute Sitzen auf dieser Erhöhung am Rand und in der Mitte steht ein Tischchen, das kaum 30cm hoch ist. Wir verbrachten den ganzen Abend dort und plauderten mit den beiden Frauen.
Die Mönchin lebt hier mit ihrer Schülerin. Diese war ganz fleissig am arbeiten und lernen. Sie traute sich nicht so recht, mit uns zu sprechen, obwohl sie es unglaublich spannend fand, Ausländer im Haus zu haben. Sie verkroch sich oft. Zuerst kriegten wir etwas, das unsere Gastgeber tibetische Schokolade nannten. Sie mixten dies gleich vor unseren Augen: Milch/ Käsekrümel, Zucker, ein Pulver, das wir nicht entziffern konnten und warmes Wasser. Sehr lecker und nahrhaft! Weiter gab’s Käsekrümel und Milchtee zu probieren. Zum Znacht gabs Reis mit gebratenem Gemüse, typisch tibetisch, wie uns erklärt wurde. Die Mönchin war richtig begeistert, dass wir uns so schnell an die tibetische Esskultur gewöhnen und dass wir all die Sachen probieren und mögen. Mich erinnerten viele dieser Dinge an die Spezialitäten in der Mongolei. So auch das getrocknete Fleisch, das kaum gewürzt gegessen wird.
Am Abend wurden schliesslich unsere Betten hergerichtet. Diese waren dort, wo wir alle zuvor gesessen hatten. Auf jeder Seite des Tischchens wurden Decken ausgelegt und dicke Duvets dazu. Oh, ich schlief so herrlich dort und fror kein bisschen!
Am nächsten Morgen war früh Tagwach. Während unsere Gastgeberin das Morgenessen zubereitete, schickte sie uns nach draussen, Fotos machen und die Landschaft erkunden. Pierre und ich nutzen diese freie Zeit, um die nahe gelegenen „Roten Zähne – Hong Zhe Shan“ zu erklimmen. Wow, das war recht anstrengend, obwohl höchstens eine Stunde Marsch, aber es lohnte sich jeder Schritt bei der unglaublich schönen Aussicht, die uns bei Sonnenschein auf dem Gipfel erwartete! Zurück im Haus gab’s Milchreis zum Frühstück. Später ging dann unsere Entdeckungstour endlich los! Unsere buddhistische Freundin wollte uns natürlich das Kloster zeigen, ne tolle Sache, denn sie wusste wirklich was dazu zu erzählen. Wir schauten vor allem einen Tempel etwas genauer an und die beiden Frauen waren recht begeistert von Pierre’s Fotokamera und machten schon am Morgen früh ganz viele Fotos, am besten mit uns als Suchet :D
Gegen Mittag gingen wir dann zu Besuch beim Bruder der Mönchin, wir hatten etwas Bedenken, weil dies bedeuten würde, dass wir wieder essen und wir waren doch noch so voll vom Frühstück! Und tatsächlich, wir erhielten frisches Joghurt, das wir mit Zucker und Birne assen. Während unsere Freundin beim Arzt war, schauten sich Pierre und ich die restlichen Tempel des Monastery’s an und waren dann recht lange am warten auf unsere Freunde. Diese wollten nämlich unbedingt mit uns an einen anderen schönen Ort hier. Nun gut, für einen Tag lassen wir uns das Programm von jemandem anderen machen (die Chinesen können eben nicht planen, sie entscheiden immer ganz kurzfristig und machen, was ihnen gerade passt. Was unsere Programmideen für Langmuse waren, war nicht relevant). Nach einem abenteuerlichen Ritt zu dritt auf einem Motorrad bis zum Eingang in eine „heilige“ Schlucht nahmen wir eine Wanderung durch wohl eines der schönsten Täler dieser Region in Angriff. Unsere Freundin blieb mit ihren Stöckelschuhen aber bald hinter uns und wir erreichten nur mit der Mönchin eine weite, mit grünem Rasen geschmückte Öffnung zwischen verschiedenen Bergkämmen. Wow war das toll, das Zusammenspiel von Sonne und Schatten, die glitzernden Gipfel, das Zirpen der Grillen und das Echo unserer Rufe! Ja, ich kann wirklich verstehen, warum viele Leute finden, dies hier sei ein Kraftort! Nach einigem Verweilen, machten wir uns auf den Heimweg. Aus der Schlucht raus, hatten wir noch Zeit, ein bisschen durch das Bergdörfchen zu schlendern. Die Leute hier leben eigentlich verhältnismässig einfach, sie sind nicht reich. Doch es fällt sofort auf, wenn man durch die Strassen läuft, dass die Menschen hier glücklich leben, sie sind zufrieden, sie haben das wichtigste zum glücklich sein!
Als wir uns wieder mit unseren Freunden trafen, da schlug uns die Chinesin vor, an ein Konzert traditioneller tibetischer Musik zu gehen. Wir als Musikinteressierte willigten natürlich sofort ein. Ja, das wurde echt eine amüsante „Vorführung“: Die Musikanten sangen ihre Lieder nicht live, sondern performten – und dies zum Teil miserabel langweilig – nur zu Playbackmusik. Amüsant war’s allemal, vor allem zusammen mit dem komischen chinesischen Kaffee, den wir dazu tranken (mit komisch gumigen Stückchen drin).
Endlich zu Hause gab’s noch ne Schüssel Reis, bevor wir alle todmüde schlafen gingen. Am nächsten Morgen mussten wir bereits um 6 Uhr das Haus verlassen. Während wir schliefen, hatten uns die Mönchin und ihre Schülerin nochmals tibetische Schokolade zubereitet, die sie uns mit auf den Weg gaben. Sie brachten uns sogar bis ins Dorf und hatten ein schlechtes Gewissen, dass sie nicht mit uns auf den Bus warteten. Pierre und ich schliefen dann erst mal ne Runde im Bus, der leider dennoch erst nach 7 Uhr kam...

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