Samstag, 10. Oktober 2009

Das Strahlen der Berge I – Eine Reise von Lanzhou nach Chengdu

Chinas Ferienkonzept
Mehr als eine Woche ist es her, seit mein französischer Kollege Pierre und ich Xian für eine Reise durch die Berge Gansu’s und Sichuan’s verlassen haben. Zur Feier des 60-jährigen Bestehens der Chinesischen Volksrepublik gab’s für das ganze Volk 8 Tage Ferien (für uns hiess dies, dass wir an zwei Wochenenden die Stunden von zwei freien Tagen nach- oder vorholen mussten). Natürlich gehört es sich auch, dass man sich an der Rezeption unseres Internationale Studierende Hauses abmeldet und Reiseziel, Telefonnummer sowie Zimmernummer hinterlässt. Und als wir heute Morgen früh dann wieder an die Uni kamen, da wurde uns natürlich zuerst mal die Temperatur kontrolliert, bevor wir den Campus betreten durften (zum Glück hab ich mir nicht mehr als einen Schnupfen geholt in der Kühle der Bergen).
toller Host in Lanzhou
Mit dem Nachtzug fuhren wir am 1. Oktober, dem grossen Volksfeiertag, nach Lanzhou (am Tag zuvor gab’s natürlich keine freien Plätze mehr, weil alle Chinesen nach Hause gingen für die Ferien). In der unspektakulären Stadt erwartete uns bereits eine sympathische Couchsurferin, eine Amerikanerin in meinem Alter, die an der lokalen Uni als Englischlehrerin arbeitet. Ihr Cafe nach der Ankunft war ein echter Schmaus und die Rettung des Tages! Wir gingen gleich los und versuchten als erstes, Tickets für unsere Weiterreise nach Xiahe zu organisieren. Zum Glück war Ginger dabei, die recht gut Chinesisch sprach, alleine hätten wir den Busbahnhof wohl nie gefunden. Die fast 1,5h Reise nahmen wir schliesslich vergeblich auf uns, denn Tickets gab’s nicht vor morgen 6 Uhr in der Früh.
Nach dem Mittagessen schmökerten wir ein bisschen auf dem Antikenmarkt und ich hätte mir fast ein steinernes Xylophon gekauft, wären nicht die Töne so komisch angeordnet gewesen! Später schauten wir uns einen Tempel an einem der Hänge an und nach einem Eis mit Kolleginnen von Ginger machten wir uns auf den Heimweg. Am Abend schauten wir mit zwei weiteren Kollegen unseres Hosts Rush Hour 2 und das war echt noch viel lustiger in China, jetzt wo ich die einfachen chinesischen Sätze verstehe und über die schlechen Übersetzungen lachen kann. Und auch die Konfueinlagen sind amüsanter als zuvor genauso wie die Bilder aus Chinas Grosstädten :D Hoffe, ich kann noch ein paar weitere Jacky Chan Filme in China schauen!
Bergluft in Xiahe
Am 3. Oktober ging’s dann endlich richtig los! Wir freuten uns schon lange auf die Bergluft. Doch bevor wir den Bus nehmen konnten, mussten wir irgendwie eine Kopie unserer Pässe auftreiben, sonst konnten wir nicht mitfahren. Dank sei dem Taxifahrer, der für uns eine Kollegin aus dem Bett geholt hat (es war 7 Uhr) und uns zu deren Geschäft gefahren hat! Um die Mittagszeit erreichten wir schliesslich das kleine Bergdorf auf ca. 2500müM. Lohnenswert war hier vor allem ein Besuch des riesigen buddhistischen Klosters, wohl eines der grössten Zentren ausserhalb Tibets und ein Pilgerort für viele Gläubige.
Noch vor 3 Stunden waren wir im städtischen Lanzhou, das sich ausser am Aussehen, dem Alter und der Qualität der Bauten nicht wesentlich von anderen chin. Städten unterscheidet. Doch was wir jetzt vor uns hatten, war etwas ganz Neues! Es gab einfach eine schön hergerichtete Strasse, jene, an der auch alle Shops waren. Die Häuser hier waren bunt verziert und zeigten viele buddhistische Symbole. Zu kaufen gabs denn auch vor allem Mönchskleider, religiöse Acessoirs, traditionelle tibetische Kleidung und andere Produkte, viel Schmuck für die Touristen und auch einiges an Schnickschnack.
Was mir sofort auffiel in Xiahe, waren die wunderbaren Gewänder der Einheimischen hier! Diese Gewänder erinnerten mich stark an jene Roben der Mongolen. Es waren auch lange Mäntel, die mit einem Tuch um die Hüfte festgemacht wurden. Meistens wurde ein Ärmel frei nicht angezogen, sondern hinten am Rücken ins Tuch eingeklemmt. Ich wollte natürlich auch mal eines dieser Kostüme anprobieren und an mir sah das recht amüsant aus mit den viel zu langen Ärmeln (aber das muss so sein). Ich kann gut verstehen, dass diese Kleider sowohl in der Mongolei, als auch im Tibet getragen werden, sie sind perfekt für den kalten Winter!
In Xiahe schauten wir uns natürlich auch das Kloster an, drehten die vielen Gebetsmühlen, die rund um das Kloster in Gängen aufgebaut waren und erklommen eine riesige stupa-ähnliche Pagode. Aber weil wir der Berge wegen gekommen waren, zog es uns immer mehr auf die nahe gelegenen Hügel, dorthin wo meistens irgendeine buddhistische Gebetsstätte errichtet wurde. Unterwegs trafen wir dann einige einheimische und wir versuchten mit ihnen zu reden. Jedoch sprachen die beiden besser tibetisch als chinesisch, was unsere Kommunikation auf ein Minimum beschränkte und dennoch verstanden wir uns gut :D
Mit der Klosterbesichtigung, ein bisschen Klettern und ein bisschen Shoppen war unser Nachmittag auch schon vorbei und nach dem Nachtessen waren wir beide bettreif.
Landschaftsbilder
Von Xiahe nahmen wir zuerst einen Bus nach Hezuo. Dort angekommen erwartete uns auch schon eine Horde Dreiradchauffeure, die uns alle ihre Dienste anboten, uns an den zweiten Busbahnhof zu fahren, wo wir den Bus nach Langmuse nehmen konnten. Das war ne luftige, amüsante Fahrt durch diese doch recht grosse Stadt mitten in den Bergen!
Bevor wir die zweite Busfahrt für diesen Tag in Angriff nahen, reichte die Zeit gerade noch, um eine lokale Spezialität als Mittagessen zu probieren. Unterwegs sieht man übrigens auch recht viele spannende Dinge! Einerseits lohnt es sich, mal die anderen Mittreisenden im Bus etwas zu beobachten. Gerne dieskutieren sie zusammen in jeder Lautstärke oder schlafen mit offenem Mund oder essen gerne Sonnenblumenkerne, die nachher recht vielle Spuren im Bus hinterlassen. Zwischendurch sind wir auch mit einigen Fahrgästen ins Gespräch gekommen. Wir als einzige Ausländer im Bus waren natürlich des öfteren Gespärchsstoff und Amusement für den ganzen Bus.
Aber für mich fast noch spannender waren natürlich all die Landschaften, durch die wir fuhren: Kurz nach Lanzhou reisten wir recht lange durch grosse Landwirtschaftsgebiete. Ganze Berge wurden dort umgestaltet und bestehen heute aus vielen verschiedengrossen, verschiedenförmigen Terrassen! Ich vermute, dass dort vor allem Mais und Korn angebaut wird. Diese nördlichste Bergkette des Tibets ist eine montane Wüste und eignet sich regentechnisch eher schlecht für Landwirtschaft. Doch sieht es aus, als ob die Leute ausgeklügelte Bewässerungssysteme nutzen und damit die guten Lössböden dennoch zu nutzen wissen. Am Strassenrand wurde zum Beispiel für jeden Baum eine kleine Wanne angelegt, sodass das wenige Regenwasser auch sicher beim Baum zusammenfliesst.
Später wurden die Täler enger und wir fuhren vorbei an kleinen Dörfchen, die in den Hang gebaut wurden. Meistens gabs noch einige wenige Felder, die ebenfalls am Hang angelegt wurden. Hier wird noch alles von Hand angebaut und geerntet! Doch nicht alle Orte waren so idyllisch. Genug oft sahen wir auch einfach Ruinen und halbfertige Häuser, die dennoch bewohnt wurden und andere schäbige Bauwerke. Auch die Strasse, auf der wir fuhren, war nicht immer gleich gut, manchmal handelte es sich lediglich um einen Schotteruntergrund.
Wenn die Strasse sich mal wieder gefährlich am Hang entlangwand, konnte ich aus dem Fenster an der steilen Felswand hochschauen. Mancherorts waren die Chinesen recht radikal und betonierten ganze Hänge zu, um sie rutsch- und steinschlagsicher zu machen. Andernorts wurde der Hangfuss einfach mit einer hohen Mauer versehen oder eine Gesteinsformation über mehrere Kilometer mit Netzen versehen. Aber genauso fuhren wir durch Gebiete, wo Felsformationen gefährlich über der Strasse hingen oder das Geröll von der Böschung schon die Strasse erreichte. Wenn das Geld nicht reicht, dann wird halt einfach nichts gemacht und niemand stört sich gross drab. Unser Bus fuhr auf jeden Fall trotzdem auf dieser Strasse, auch wenn vom vielen Regen an diesem Tag schon einige kleinere Murgänge die Strasse überdeckten.
In Richtung Langmuse wurde die Landschaft immer hochmontaner. Wälder gab es auf dieser Höhe fast keine mehr, Büsche und Gestrüppe auch nur noch im Tal. Auf beiden Seiten erhoben sich mächtige spitzige, teils klüftige, steinige Berge, die von der Sonne angestrahlt wurden und Lust zum Klettern machten! Natürlich konnten wir es in Langmuse dann nicht sein lassen und bekommen wirklich eine der Bergketten. Sie nannte sich Rote Zähne und sah aus der Ferne auch so aus.
Weiter in Richtung Chengdu liessen wir die schmalen Täler hinter uns und fuhren viel mehr durch mehrere weite Hochebenen. Diese Landschaften erinnerten mich sehr fest an die Mongolei, vor allem auch wegen den Yak- und Ziegenherden und den Zelten, die hier neben den steinernen Dörfern ebenfalls als Unterkunft dienten. Die Berge im Hintergrund waren nun viel lieblicher und hatten eher den Anblick von Hügeln, obwohl sie sicherlich auch recht hoch waren!

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